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Hans-Peter Profunser
geb. 1956 in Lienz/Osttirol

Literatur

Hans-Peter Profunser "BEGEGNUNG", 2009, Druck-Verlag Netzwerk


Folgenden Text schrieb Dr. Anton Gugg bei einer Künstlervorstellung
in der Zeitschrift "Vernissage" anläßlich der Festspielausstellung 2005:

 

MARMOR HEROEN


     Auch die Skulpturen des Kärntner Bildhauers Hans-Peter Profunser, eines anderen begnadeten "Eigenbrötlers" haben einen ganz eigenen Klang. Dass dieser Pathetiker der marmornen Aktdarstellung gelernter Maschinenschlosser ist, merkt man nur an frühen Kreationen aus kruden Metallteilen. Was seine eigentliche bildnerische Passion betrifft, scheint sich der Künstler von Körperdarstellern wie Michelangelo oder Rodin anregen zu lassen. Profunsers großes Thema ist der menschliche Körper in seinem Befreiungskampf von der umgebenden Materie. Viele Werke aus oft kostbaren Steinen aus Carrara, Portugal oder dem Krastal zeigen muskulöse Männerkörper und athletische Frauenleiber in leidenschaftlicher Auseinandersetzung mit dem eigenen Dasein und mit der "Gesteinsmutter". Man spürt förmlich den zügellosen Gestaltungsfuror des gebürtigen Oberkärtners, der das "Älplerisch-Bildschnitzerische" ganz aus eigenen Kräften auf eine andere, höhere Ebene gestemmt hat. Profunsers dramatisch sich aufbäumende Heroen und mächtige Mütter kümmern sich in Wahrheit nicht um Kunstgeschichte und das, was die zeitgenössische Auffassung des Plastischen erlaubt. Sie kommen ganz aus dem Innenleben eines eigensinnigen Charakters, der fernab vom Kunstgetriebe in einer hochgelegenen Werkstatt im wahrsten Sinn des Wortes schuftet und ganz ohne Maschinenkraft mit Hammer, Meißel und Muskelkraft seine Gestalten aus dem Stein befreit.
Im Grunde sind Profunsers Figuren Menschheits-Gestalten ohne allzu deutliche geschlechtliche Differenz. Es handelt sich weniger um Anatomien, als um beseelte, kämpferische Körper - sehr oft Torsi ohne Kopf. Diese Arbeiten fordern heraus durch ihr anachronistisches Dasein und durch ihre handwerkliche Perfektion. Jedes Fotografenauge wird begeistert sein von den Licht- und Schattenspielen auf den wogenden, zerklüfteten Massen, den polierten Körperteilen und den rau belassenen Partien. Bessere "Kunstmodelle" werden sich schwerlich auftreiben lassen. Hans-Peter Profunsers Skulpturen verbinden so etwas wie "heiligen Zorn" und erotische Ausstrahlung, eine betäubende Mischung, die heute in der Bildhauerei so gut wie unauffindbar ist.